fbpx

Der Fall Liqui Moly und was wir daraus lernen können

Im Juli letzten Jahres ging ein Newsletter in die digitale Post, an den sich wohl noch alle erinnern, die ihn erhalten und gelesen hatten.

Der CEO des Schmierstoff- und Autopflegemittelherstellers Liqui Moly, Ernst Prost, fand den Mut in einer höchst schwierigen Situation kompromisslos ehrlich zu sein: man hatte sich total verzettelt. Die Einführung einer neuen Software sollte unter wohlklingenden Namen wie Artificial Intelligence und Big Data Analysis Materialflüsse steuern und interne Abläufe weitgehend automatisiert optimieren.

Doch was war auf einmal die neue Realität? Halb gefüllte Container, wartende Kunden, frustrierte Mitarbeiter und Umsatzeinbrüche in einer Größenordnung, die für Prost mehr als beunruhigend waren.So garnierte Probst seinen Newsletter mit einem Portraitfoto seines Gesichts in extrem „saurer“ Geisteshaltung:

Ernst Probst war sichtlich erzürnt (Bild: PR)

Es traf also genau das Gegenteil von dem ein, das eigentlich erreicht werden wollte.

Wie kam es dazu?

„Dynamics“ von Microsoft wurde eingeführt. Schätzungen zu Folge belaufen sich die grundlegenden Kosten dafür auf einen zweistelligen Millionenbetrag. In Folge dessen Brach der Umsatz um ein Prozent und der Gewinn um 30 Prozent ein.

Branchenkenner sagen: Liqui Moly hat sich zunächst am alten System festgeklammert und dann viel zu schnell umgestellt. Eine holistische Planung, die alle Aspekte und Systeme mit einbezieht, fand augenscheinlich nicht oder nicht ausreichend statt.

Eine wirklich fundierte Beratung durch Experten ist bei der Einführung neuer IT-Systeme wohl unabdingbar. Hektische Umsetzungen und unausgereifte Lösungen bringen zwar initiale Zeit- und Kostenersparnisse mit, die jedoch auf lange Sicht extrem teuer werden können.

Quellen: https://www.wiwo.de/unternehmen/mittelstand/schmerzt-mich-zutief-microsoft-desaster-bringt-den-chef-von-liqui-moly-in-rage/24582956.html; https://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand/familienunternehmer/ernst-prost-software-pannen-bringen-den-chef-von-liqui-moly-auf-die-palme/24580246.html